3 Montreal


Montreal

Mon|t|re|al :
Stadt in Kanada.

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Montreal
 
[mɔntrɪ'ɔːl, englisch], französisch Montréal [mɔ̃re'al], Stadt in der Provinz Quebec, Kanada, auf einer rd. 50 km langen, bis 16 km breiten Flussinsel (Île-de-Montreal) zwischen Rivière des Prairies (mittlerer Mündungsarm des Ottawa River, der mit einem anderen Arm auch schon vorher mündet) und dem Sankt-Lorenz-Strom; mit 1,02 Mio. Einwohnern größte Stadt Kanadas, die Metropolitan Area von Montreal hat mit 3,44 Mio. Einwohner allerdings eine geringere Bevölkerung als die von Toronto (4,34 Mio. Einwohner). 68 % der Bevölkerung von Montreal geben Französisch als Muttersprache an. Montreal ist katholischer Erzbischofs- und anglikanischer Bischofssitz sowie ein bedeutendes Universitäts- und Kulturzentrum. Zwei Universitäten haben Französisch als Unterrichtssprache (Université de Montréal, gegründet 1878; Université du Québec, gegründet 1968), in englischer Sprache wird an der McGill University (gegründet 1821) unterrichtet, in beiden Sprachen an der Concordia University (1974 hervorgegangen aus der Sir George Williams University und dem Loyola College). Montreal ist Sitz der Nationalbibliothek von Quebec und besitzt Museen (besonders Kunst- und historische Museen, Architekturmuseum), Sinfonieorchester, Planetarium, botanischer und zoologischer Garten, Olympiastadion (Sommerspiele 1976).
 
Montreal ist Sitz von Banken, Versicherungen, Konzernverwaltungen und Handelsunternehmungen. Die Industrie umfasst Waggon-, Lokomotiv-, Flugzeugbau, elektrotechnische, Textil-, bedeutende petrochemische Industrie (sechs Erdölraffinerien in Ostmontreal), auch Tabak-, Schuh-, Nahrungsmittelindustrie, Bierbrauereien, Pelzverarbeitung. Seit den 1960er-Jahren Verlagerung der Industrie in die Vororte. Montreal hat Anschluss an die Erdöl- und Erdgaspipelines aus dem Westen Kanadas sowie an eine Pipeline (für Importe) von Portland (USA, Maine). Der Hafen von Montreal am Sankt-Lorenz-Seeweg ist bedeutend für den Getreidehandel und der größte Containerhafen Kanadas. Montreal besitzt zwei internationale Flughäfen und seit 1967 eine U-Bahn.
 
 
Das Château Ramezay (1705), früher Gouverneurssitz, ist seit 1929 Museum; Kirche Notre-Dame de Bonsecour (1771, Kirche der Seeleute); Wahrzeichen ist die Kirche Oratoire Saint-Joseph (1924-67), eine der wichtigsten Wallfahrtsstätten Nordamerikas. An der Place des Arts (1963) liegen Oper und Theater; die Place de Ville-Marie (1960-65) gestaltete I. M. Pei. Als Stadt der Weltausstellung von 1967 und der Olympischen Spiele von 1976 wurde Montreal eindrucksvoll modern umgestaltet: Pavillon der USA von R. B. Fuller, deutsch Pavillon von F. Otto und R. Gutbrod; M. Safdie schuf das Terrassenblockhochhaus »Habitat 67«. Im Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau und der Fundamentierung der Hochhausbauten entstanden 1960-91 auf 16 km Länge unterirdische Einkaufspassagen mit Hotels, Restaurants, Bankfilialen, Theatern, Kinos und Kongresszentren. Zu den bemerkenswerten modernen Bauten gehören weiter die 34-stöckige »Maison des Coopérants« (1985-87), ein Verwaltungsgebäude mit gläserner Außenhaut; der Neubau für das Kanadische Zentrum für Architektur, den 1983-89, ein Herrenhaus des 19. Jahrhunderts integrierend, Peter D. Rose schuf; der »Complexe Chauseegros-de-Lery«, das Stadthaus von Montreal (1987-91), von Dan S. Hanganu, Provencher Roy und Cardinal Hardy. Auch Museumsneubauten wurden errichtet: der Erweiterungsbau des Musée McCord, den 1988-92 das Büro LeMoyne, Lapointe, Magne ausführte; das Musée d'Art Contemporain (1993 eröffnet) vom Büro Jodoin, Lamarre, Pratte; das Musée Pointe-à-Callière (1992) von Hanganu und Roy. - In Caughnawaga, der Indianerreservation am Südufer des Sankt-Lorenz-Stroms, das Kateri Tekawita Museum für Kultur und Geschichte der Indianer.
 
 
1642 ließen sich unter französischer Führung Siedler am Ort des früheren indianischen Dorfes Hochelaga nieder, das J. Cartier 1535 aufgesucht und in dessen Nähe - es war wohl schon zerstört - S. de Champlain 1611 eine erste Siedlung angelegt hatte. Die französischen Siedler gründeten Ville-Marie, das später nach dem Mont Royal umbenannt wurde. Im Siebenjährigen Krieg für Frankreich ein strategisch wichtiger Punkt des Kampfes gegen die britischen Kolonien, wurde die Stadt 1760 als letzte französische Bastion Großbritannien überlassen; 1775/76 hielten sie amerikanische Truppen besetzt, 1844-49 war sie Hauptstadt Kanadas. Montreal, schon während der französischen Kolonialzeit wichtiges Pelzhandelszentrum, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem wirtschaftlichen, aber auch kulturellen und religiösen Zentrum.
 

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Mont|re|al: Stadt in Kanada.

Universal-Lexikon. 2012.

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